Urban, vertikal und unter Wasser –
Die Zukunft der Landwirtschaft

Landwirtschaft 2.0

Die Landwirtschaft, also die gezielte Herstellung pflanzlicher (und tierischer) Erzeugnisse, ist einer der ältesten Wirtschaftsbereiche der Menschheitsgeschichte. So alt, dass ihre Ursprünge nur vermutet werden können. Sage und schreibe auf das Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren wird der systematische Anbau von Pflanzen datiert.


Immerhin fast 50 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands wird heutzutage landwirtschaftlich genutzt. Es ist der technologische Fortschritt, der die Landwirtschaft im Laufe der Jahrzehnte maßgeblich geprägt hat. Nicht nur neue, stärker spezifizierte Berufsbereiche und ein immer breiteres Spektrum kultivierter Getreide-, Obst- und Gemüsesorten haben sich damit bis heute ausgeprägt. Auch neue landwirtschaftliche Konzepte sind längst nicht mehr nur theoretische Ideen, sondern praktisch umgesetzte landwirtschaftliche Formen, die zukunftsorientiert sind. Urban, vertikal oder unter Wasser? Wo werden wir unsere Nahrung zukünftig anbauen?

Landwirtschaft 2.0

Urban Farming

Der urbane Gartenbau (Urban Gardening) und die urbane Landwirtschaft (Urban Farming) haben in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Der Grund dafür ist nicht nur das Bevölkerungswachstum in den Städten. Auch die sozial gerechte, regionale und bewusste Produktion von Lebensmitteln mit geringen Transportwegen lassen die Landwirtschaft und eine urbane Lebensweise zunehmend verschmelzen. Auch über Klein- und Schrebergärten hinaus. Den auch ohne die Idee von der absoluten Selbstversorgung praktizieren zu wollen, bringen Urban Farming und Urban Gardening nicht nur Stadt und Land, sondern auch uns und unser Obst und Gemüse ein kleines, aber wesentliches Stück näher zusammen.

Landwirtschaft 2.0

Vertical Farming

Die landwirtschaftliche Nutzung der Stadt – das ist auch der Ansatz der vertikalen Landwirtschaft (Vertical Farming), die Teil der Zukunftstechnologie ist. Der traditionell horizontale Anbau von Getreide, Obst und Gemüse wird – nicht nur, aber auch aus Platzgründen – in eine vertikale, mehrstöckige Form überführt. Im großen Stil bedeutet das: Zwar sind mehrstöckige Farmscrapers, vertikal bepflanzte, umweltfreundliche Hochhäuser bislang noch nur theoretische Gewächshaus-Konzepte. Echte Konzepte für in sich geschlossene Systeme stehen allerdings. Und im kleinen (oder mittelgroßen) Maßstab existieren computergesteuerte Indoor-Farmen bereits. In Form spannender Restaurant-Konzepte beispielsweise, die Obst und Gemüse ohne Pestizide anbauen und ganz ohne (!) Transportweg auf den Teller bringen. Wenngleich die vertikale Landwirtschaft wegen der Mehrkosten für die künstliche Beleuchtung ihre Kritiker hat, ist eines sicher: Große Potenziale hat sie als nahezu CO2-neutraler Entwurf, der von Umwelteinflüssen unabhängig ist, allemal.

Underwater Farming

Auf den Namen „Nemo‘s Garden“ hört die vielleicht spannendste Form der Hightech-Landwirtschaft. Unterwasser-Gewächshäuser sind es, die der Italiener Sergio Gamberini in Ligurien entwickelt hat. Die Idee der submarinen Gärten ist ebenso erfinderisch wie zukunftsweisend: In luftgefüllten Ballons mit 83-prozentiger Luftfeuchtigkeit befinden sich Blumenkästen – sechs Meter unter der Wasseroberfläche. Diese werden von Tauchern mit Erde und Samen befüllt. Das Bewässerungssystem unter Wasser? Ausgeklügelt! Denn die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht lassen Meerwasser in den Ballons verdunsten, wobei das Salz zurückbleibt. In einem unabhängigen System regnet so Süßwasser auf Basilikum, Erdbeeren, Bohnen und Salat. Wer zu weit von der ligurischen Küste entfernt ist, der kann sich die Unterwasserkolonie auch im Live-Stream ansehen.

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