Unser Einkauf im Jahr 2030
ein Gedankenexperiment

Digitalisierung, Innovationen, Internet der Dinge, Big Data, künstliche Intelligenz und Robotik – einiges scheint ganz schön abgefahren, ja geradezu unvorstellbar. Doch was, wenn verrückte Zukunftsvisionen Realität werden und unseren Alltag maßgeblich beeinflussen? Wie wird dieser dann aussehen? Einkaufen gehen wir dann sicher nicht mehr. Oder doch? Schreiben wir noch selbst einen Einkaufszettel, kocht der Roboter für uns oder essen wir überhaupt noch Lebensmittel wie wir sie jetzt kennen?


Wir haben ein futuristisches Gedankenexperiment gewagt und spinnen eine Zukunftsvision mit Augenzwinkern.

Dass wir im Jahre 2030 jemals an einem Sonntag an unserem Kühlschrank stehen werden und dieser ist leer, wird unwahrscheinlich sein. Dank “Smart Home“ weiß unser Kühlschrank, was nie fehlen darf: 2 Liter Milch, 10 Eier, ein Glas Erdbeermarmelade zum Frühstück und mindestens 150 Gramm Margarine sollen immer greifbar sein. Sicher kein Problem, denn über eine digitale Einkaufsliste wird unser Kühlschrank so intelligent sein, dass er autonom beim Lebensmittel-Lieferdienst die richtigen Mengen bestellt. Gähnende Leere im Kühlschrank wird es nicht mehr geben. Falls doch, scheint es sich um einen technischen Defekt zu handeln.

Lebensmittelverschwendung wird uns fremd sein

Erst wenn ein Produkt aufgebraucht ist, wird nachbestellt, dann steht nie mehr als die kalkulierte und tatsächlich benötigte Menge eines Produkts im Vorratsschrank. Doch wir wollen nicht jede Woche dieselbe Lieferung erhalten. Der Abo-Dienst der Einkaufsliste muss also individuell und abwechslungsreich sein. Selbstverständlich möglichst einfach und bequem. Ohne Mehraufwand. Mit wenigen Klicks oder einer Sprachsteuerung lässt sich die Einkaufsliste des Kühlschranks oder der Speisekammer verändern und wir bestellen gezielt Zusatzprodukte, die nicht im üblichen Abo enthalten sind. Klingt super oder? Einen Sonntagmorgen ohne Milch im Kaffee wird es nicht mehr geben. Einen Samstagabend ohne Rotwein auch nicht mehr so schnell.

Wo kommen unsere Lebensmittel eigentlich her?

Urban Gardening ist schon lange keine Wunschvorstellung mehr. Doch um als Ernährungsgrundlage dienen zu können, reichen die städtischen Flächen noch nicht aus. Wenn wir der Vision von Mikrobiologe Despommier aus den USA Glauben schenken, dann wird es bald völlig normal sein, Bepflanzung und Landwirtschaft in luftigen Höhen zu betreiben. Dann wird der Salat auf unserer intelligenten Einkaufsliste vom Hochhaus neben an stammen. Ist doch klar: Um teure Ackerfläche und weite Fahrtwege einzusparen, werden Flächen in der direkten Nachbarschaft effizient genutzt. Ob wir bald auch Milchkühe und Hühner auf einer „Farming“-Dachterrasse antreffen und wie hoch hinaus die vertikale Landwirtschaft reichen wird?

Was wäre, wenn…

Tausendmal durchgespielt. Doch was wäre, wenn wir überhaupt keine Lebensmittel mehr im Kühlschrank mehr bräuchten? Anhänger der Flüssignahrungs-Bewegung zum Beispiel halten Essen als ein reines Mittel zur Lebenserhaltung. Ein Mittel zum Zweck. Ein notwendiges Übel. Nach Fitness-Shakes, die hochkonzentrierte Proteine enthalten, soll mit „Liquid Food“ bereits eine komplette Mahlzeit ersetzt werden können. Vorbild: na klar, die Astronautennahrung. Kleine Tütchen und handliche Packs mit flüssigem Superfood gefüllt, das mit nur 200 Millilitern eine ganze Mahlzeit abdecken kann. Doch nicht nur Mineralstoffe, Nährwerte und Energieangaben müssen stimmen, im Idealfall bedeutet Essen und Kochen nämlich auch Gemeinschaft, Spaß und vor allem Genuss. Die Herausforderungen liegen auch für die Besten in der Branche beim Geschmack, denn wir sind weit entfernt davon eine geschmacklose Flüssigkeit zu trinken, die nahrhaft ist, unseren Geschmacksknospen aber einen entrüsteten Schauer über den Rücken jagt.

Vielleicht wird es auch noch eine Zeit lang dauern, bis Industrie und Innovation dem nachkommen können. Bis dahin: Kocht doch einfach nochmal selbst, genießt „reale“ Geschmacksexplosionen im Mund, freut Euch oder seid zumindest gespannt, was da noch alles kommt…

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