Leaf to Root: Zum Wegwerfen viel zu schade

Leaf to Root

Das hast Du bestimmt schon öfter erlebt: Du willst eine bunte Gemüsepfanne oder einen großen frischen Salat zubereiten und schälst, schnippelst und schneidest dafür fleißig Gurken, Karotten, Radieschen & Co. Hinterher ist der Berg an Abfall größer als das Gemüse, das in der Salatschüssel oder im Kochtopf gelandet ist. Das ist echt ärgerlich. Denn: Erstens verstopfen diese Mengen an Blättern, Schalen und Strünken den Abfalleimer und zweitens fühlt es sich immer komisch an, etwas wegzuwerfen, was zwar noch frisch ist, aber aus einem unklaren Grund einfach nie gegessen wird. Gute Nachrichten: Die meisten Gemüseabfälle, die Du bisher in den Müll geworfen hast, kann man essen. Und nicht nur das: Sie schmecken auch richtig gut.


Wir zeigen Dir hier, was Du mit Kohlrabiblättern und Möhrengrün alles so machen kannst und was in dem Grünzeug drin steckt. Wir versprechen: Keine Verschwendung von Essbarem mehr, Abwechslung auf Deinem Teller und ganz neue Geschmackserlebnisse auf Deiner Zunge.

Früher Kaninchen-Futter, heute Trend-Food Leaf to Root

Wenn wir früher die Überbleibsel vom Gemüseputzen noch weiter verwenden wollten, durften sich höchsten Meerschweinchen oder Kaninchen darüber freuen. Was für eine Verschwendung! Denn genauso wie beim Food-Trend „Nose to Tail“, bei dem alle Teile eines geschlachteten Tieres verwendet werden, landet bei „Leaf to Root“ alles im Topf und auf dem Teller. Vom Blatt über die Wurzel inklusive der Schale findet jeder Bestandteil der Pflanze ihren Einsatz. Da stellt sich doch bei näherer Betrachtung die Frage: Warum isst man eigentlich gewohnheitsmäßig nur bestimmte Teile von Früchten und Gemüsesorten? Zeitmangel und Unwissen, Überdruss und Überfluss! Leider sind uns zahlreiche Köstlichkeiten, die man aus der ganzen Pflanze herstellen kann, irgendwie und irgendwann abhanden gekommen und damit verwehren wir uns selbst den Genuss von etwas ganz Besonderem.

Power aus den Blättern, Geschmack aus der Schale

Gemüseblätter stecken voller Vitaminen und die Nährstoffdichte ist besonders hoch. Sie enthalten reichlich Ballaststoffe sowie Mineralstoffe und gleichzeitig kaum Kalorien – echtes Power-Food also. Mit ihren gesunden Inhaltsstoffen übertreffen manche Blätter sogar den Rest der Pflanze. So haben beispielsweise Kohlrabiblätter mehr zellschützende Carotinoide und sogar doppelt so viel Vitamin C wie die Knolle. Man kann die Blätter wie Salat verwenden oder in einer Gemüsepfanne schonend mitdünsten, somit bleiben die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten. Eine besondere Wirkung haben die Blätter des Knollenfenchel. Die enthaltenen ätherischen Öle entkrampfen und wirken wie Magenschmeichler. Da das zarte Grün des Fenchels sehr mild schmeckt, ist es eine feine Ergänzung in Salaten, Suppen oder Soßen. Die Blätter von Radieschen lassen sich ebenfalls vielseitig verwenden. Sie enthalten wie die Knollen selbst Senföle und sind daher perfekt zum Würzen von deftigen Hackfleisch- oder Pastagerichte.

Leaf to Root

Smoothies, Salate, Soßen und Suppen neu interpretiert

Wer einmal angefangen hat, mit den Blättern und Stängeln von Gemüse zu experimentieren, wird schnell merken, dass sich die eigene Speisekarte sehr schnell erweitert. Die grünen Blätter landen im Mixer für Green Smoothies, Sie werden fein geschnitten und peppen den gemischten Salat auf und sie werden gedünstet und für Soßen und Suppen verwendet. Dabei gibt es sogar Restprodukte, von denen man niemals gedacht hätte, dass man sie noch essen kann. Erbsenschalen können ausgekocht werden und geben dabei noch unglaublich viel Geschmack ab. Es wäre eine glatte Verschwendung, wenn man sie einfach ungenutzt entsorgen würde. Andere vermeintliche Gemüserestprodukte wiederum standen bei unseren Ahnen schon mal auf dem Speiseplan, gerieten aber im Laufe der Jahrzehnte und im Zuge vieler Veränderungen in der Küche in Vergessenheit. Bei der Roten Beete wurden früher nur die Blätter verspeist, bis man entdeckte, dass die farbintensiven Wurzeln sehr gut schmecken. Wir sollten den Rote Beete-Blättern, die gedünstet als Beilage oder in einer Suppe hervorragend schmecken, daher heute wieder eine Chance geben.

Heute ein Geheimtipp! Morgen ganz normal?

Auch wenn sich Dank „Leaf to Root“ für uns ganz neue Geschmackswelten eröffnen und viel mehr essbar ist als wir bisher dachten, kann man natürlich nicht alles essen bzw. bedarf es einiger Zubereitungstricks. Wer sich nicht sicher ist, sollte im Zweifel per Online-Recherche abklären, was schmeckt und was nicht. Mittlerweile versuchen sich immer mehr Köche an Leaf to Root-Rezepten und teilen ihr Wissen in entsprechenden Kochbüchern. Darin zeigen sie wie Wurzeln, Strünke, Stiele und Blätter in der Küche am besten eingesetzt werden können und wie uns dies für unsere Alltagsküche inspirieren kann. Seit einiger Zeit wird die Gemüseküche daher immer weiter revolutioniert. Aber wie das immer so ist mit neuen Ernährungstrends: Erst staunt das Gewohnheitstier Mensch, viele lehnen derlei Neuheiten auch ab, aber irgendwann setzt es sich vielleicht durch und wird ganz alltäglich. Möglicherweise sagen unsere Enkel irgendwann: Weißt du noch Oma, die hat immer die Hälfe vom Gemüse weggeschmissen, weil man früher dachte, man kann das nicht essen. Krass, oder?

Rezept Radieschenblätter-Suppe (für 4 Personen)

 

2 große Kartoffeln 2 kleine Zwiebeln
2 Knoblauchzehen 2 Bund Radieschenblätter
2 Liter Gemüsebrühe 200 ml Sahne
20 ml Weißwein 2 EL Butter
Salz Pfeffer aus der Mühle

Zubereitung

  1. Kartoffeln und Zwiebeln schälen und würfeln. Knoblauch fein hacken oder mit einer Knoblauchpresse ausdrücken. Alles zusammen in Butter bei mittlerer Hitze in einem Topf  anschwitzen und unter gelegentlichem Rühren garen lassen.
  2. Die Radieschenblätter gründlich waschen und abtropfen lassen. Einige Blätter zur Seite legen, den Rest grob hacken.
  3. Radieschenblätter in den Topf geben und kurz mitgaren lassen. Mit Brühe auffüllen und zum Kochen bringen. Dann sofort die Hitze herunterdrehen.
  4. Mit einem Schneidstab pürieren. Weißwein und Sahne hinzugeben und schaumig rühren.
  5. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer aus der Mühle abschmecken.
  6. Vor dem Servieren die restlichen Radieschenblätter in feine Streifen schneiden und  auf die Suppe geben. Für die Optik kannst du auch ein paar Radieschenscheiben oder -würfel mit auf den Teller geben.