Fleisch und Milch der Zukunft:
Was können künstlich produzierte
Nahrungsmittel?

künstlich produzierte Nahrungsmittel

Es klingt wie Science-Fiction, ist aber mittlerweile ein großes Thema im Bereich der Lebensmittelindustrie: Essen aus dem Labor. Dabei stellt sich die Frage, warum hier überhaupt so viel Aufwand betrieben wird.


Die Gründe auf tierische Produkte zu verzichten und sich damit pflanzenbasiert zu ernähren, sind sehr vielfältig: Die einen greifen aufgrund von Bedenken bei der Haltung der Tiere nicht auf Wurst und Co. zurück, andere aus gesundheitlichen Gründen zum Beispiel wegen des Cholesterins, das in zu großen Mengen aufgenommen die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Wieder weitere sind sich bewusst, welchen ökologischen Fußabdruck tierischen Produkte der Welt hinterlassen.

Egal aus welchen Gründen tierische Produkte nicht auf dem Teller landen, auf das kulinarische Erlebnis, die Aromen und die einzigartige Konsistenz möchten viele dennoch nicht verzichten. Die letzten Jahre haben sich deswegen die Angebote von Wurst- und Fleischalternativen im Markt schon fast überschlagen. Soja-Granulat als Hackfleisch-Ersatz in Spaghetti-Bolognese oder auch die neueste Entdeckung aus 2017 Jackfruit als „Pulled-Pork“ in Burgern gewinnen mehr und mehr Fans.

Die Beschaffenheit reicht dann aber doch nicht immer an das „Original“ heran. Diesem Aspekt haben sich Wissenschaftler gewidmet und neue Methoden entwickelt, die neue Fleischalternativen nur noch schwer unterscheiden lassen. Wir stellen euch die coolsten Produkte vor:

Milch und „Fleisch“ aus Erbsen künstlich produzierte Nahrungsmittel

Sogenannte Ersatzprodukte sind schon seit einiger Zeit gar nichts ungewöhnliches mehr. Sicherlich erinnert sich der eine oder andere noch an die Diskussion darüber ob vegane „Wurst“ tatsächlich so genannt werden darf, da in ihr kein Fleisch enthalten ist, sondern ersatzweise Pflanzen verwendet werden. „Milch“ aus Pflanzen (Soja, Hafer, Nüsse etc.) trägt normalerweise die Bezeichnung „Drink“, da sie nicht aus dem Euter eines Tiers stammt. Dabei spielt es keine Rolle, dass sie von den Konsumenten wie Kuhmilch (oder Ziege und Schaf) verwendet wird – für den Kaffee, das Müsli oder zum Backen. Neuerdings wird auch Milch aus Erbsen angeboten, denn sie hat gegenüber Kuhmilch einige Vorteile. Sie ist proteinreich und hat 50 Prozent mehr Calcium als Kuhmilch, dabei aber weniger Zucker. Darüber hinaus ist ihr Gehalt an Vitamin D höher. Sieht so aus, als könne diese Pflanzenmilch die „normale“ Milch in puncto Gesundheit schlagen.

künstlich produzierte Nahrungsmittel

Übrigens wird für die Produktion eines Kilos Fleisch über 15.500 Liter Wasser verbraucht gegenüber z.B. 250 Liter für den Anbau von 1 Kilogramm Kartoffeln.*

Was so viele Vorteile bringt, muss doch auch noch anderweitig verwendbar sein, dachten sich wohl einige Wissenschaftler vom Fraunhofer Institut und versuchten Fleischersatz aus Erbsen herzustellen. Durch ein neuartiges Pressverfahren wird eine Art Ersatzfleisch aus Erbsenprotein hergestellt, das nicht nur von seiner Textur her, sondern auch beim Geschmack näher an richtiges Fleisch kommt, als Produkte aus Soja und Weizen. Ein Ausweg aus der Massentierhaltung? Man wird sehen…

Geflügel und Rind aus dem Reagenzglas

Was noch mehr nach Zukunftsvision klingt ist künstlich im Labor gezüchtetes Fleisch. Mark Post, ein Arzt aus den Niederlanden begann vor einigen Jahren Fleisch im Reagenzglas zu züchten. Dafür wurde Rindern Muskelzellen entnommen und diese zum Wachsen gebracht. Mehrere Tonnen Fleisch soll man auf diese Weise züchten können. Beim erste Testessen konnte das fertige Fleischstück nur bedingt überzeugen – zu trocken, es fehle das Fett, aber das Gefühl im Mund sei wie bei einer „richtigen Bulette“. Also wurde weitergetüftelt, denn auch die passenden Fettzellen können im Labor gezüchtet werden. Das amerikanische Unternehmen Memphis Meats produziert mittlerweile seit einigen Jahren Fleisch für den Endverbraucher, das im Labor in Petrischalen gezüchtet wird. Huhn, Ente und Rind gehören zu den Fleischsorten, die hier in einer Nährstofflösung hergestellt werden. Das Team, das dieses sogenannte Clean Meat produziert, konnte sogar prominente Unterstützer gewinnen. Bill Gates und Richard Branson investierten größere Summen in das zukunftsträchtige Unternehmen. Memphis Meats konnte laut eigenen Angaben mit der letzten Investorenrunde insgesamt 22 Millionen US-Dollar einsammeln.

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Tomaten aus der Wüste

Ausgerechnet in einer heißen und trockenen Wüste Gemüse anbauen – das kann man sich so gar nicht vorstellen. Und trotzdem gibt es im Süden Australiens ein Unternehmen, das genau das tut: Sundrop Farms züchtet Tomaten. Auch hier wird für den Anbau eine Nährstofflösung verwendet, die Tomaten wachsen also nicht auf dem Wüstenboden. Darüber hinaus werden Ressourcen bzw. Energien genutzt, die an diesem Ort vorhanden sind. Bewässert werden die Pflanzen mit Meerwasser, welches in einer Anlage auf der Farm entsalzt wird. Die Farm wird mit Sonnenenergie aus dem farmeigenen Solarkraftwerk betrieben. Die gewonnene Energie wird für die Gewächshäuser und die Entsalzungsanlage verwendet. Sogar bei der Beseitigung von Ungeziefer geht es ganz natürlich zu, denn dafür werden spezielle Insekten eingesetzt. Pro Jahr sollen auf der Farm bis zu 17.000 Tonnen Gemüse angebaut werden können, weitere Obst- und Gemüsesorten sowie Kräuter sollen hinzukommen. Bei einem so klug durchdachten Konzept für den Betrieb einer Farm fragt man sich, warum nicht schon viel länger jemand auf die Idee gekommen ist. Man kann nur hoffen, dass dies Schule macht.

*http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Welternaehrung-verstehen.pdf?__blob=publicationFile

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